Steinholz ist ein fugenloser Bodenbelag mit organischen Zuschlagsstoffen. Das Bindemittel ist der Sorelzement.
Geschichte und Chemie
1867 entdeckte der französische Physiker Stanislas Sorel, dass Magnesia (Magnesiumoxid) zusammen mit einer Magnesiumchloridlösung zu einer zementartigen Masse aushärtet.
Sorel entwickelte einen Säure-Base-Zement.
Als Säure fungiert eine wässrige Magnesiumchloridlösung; die Base ist ein kaustisch gebrannter Magnesit (Magnesiumoxid, MgO). Je nachdem, wie reaktiv das verwendete Magnesiumoxid ist, kann das Erhärten wenige Minuten oder auch Stunden dauern.
Folgende chemische Reaktion läuft hierbei ab:
5MgO + MgCl2 + 13 H2O -> 5Mg(OH)2.MgCl2.8H2O
Das übliche Mischungsverhältnis für einen Sorelzement ist 2,5 – 3,5 Teile Magnesia (MgO) auf einen Teil Magnesiumchlorid (MgCl2). Mit einem Zuschlag von ca. 50 % aus Holzmehl und / oder feinen Holzspänen erhält man einen Steinholzestrich.
Steinholzestriche wurden in Wohnungen und Werkstätten als Verbundestrich eingebaut, man kann den Estrich einfärben, sogar Tischplatten wurden aus Steinholzestrich hergestellt.
Von ca. 1900 bis in die Nachkriegszeit wurde der Steinholzestrich auf Holzbalkendecken im Wohn- und Gewerbebereich eingesetzt. In den 30er bis 50er Jahren wurde er auch häufiger als Verbundestrich auf Betondecken angewendet. Auf Grund seines niedrigen Gewichts, seiner wärmedämmenden Wirkung (bei geringer Rohdichte, bzw. hohem organischem Anteil), seiner geringen Aufbauhöhe und seiner Raumschall verbessernden Eigenschaften, hatte der Steinholzestrich bis 1950 im Wohnungsbau eine große Bedeutung (z. B. 1938: 5,5 Mio. m² in Deutschland). Nach 1950 verschwanden die Holzbalkendecken und damit auch die Steinholzestriche in den alten Bundesländern fast völlig aus dem Wohnungsbau.
In der Zeit bis 1950 in den alten Bundesländern und bis in die 70er Jahre in den neuen Bundesländern (ehemalige DDR) wurde der Estrich meist zweischichtig als Nutzestrich eingebaut. Er bestand aus einer unteren Füllschicht – bestehend aus Magnesia mit hohem Anteil an organischen Füllstoffen (meist Sägespäne, auch Sägemehl oder Korkmehl) – und einer Nutzschicht im Verbund, meist ca. 1 cm dick, bestehend aus Magnesia mit anorganischen (z. B. Sand) oder nur geringen organischen Anteilen. Die Nutzschicht wurde meist eingefärbt (häufig rot) und anschließend behandelt (z. B. Bohnerwachs).

Steinholzestrich ohne Nutzschicht

Steinholzestrich mit Nutzschicht

Steinholzestrich mit Nutzschicht

Steinholzestrich mit Nutzschicht
Eigenschaften
Die DIN 18560-Estriche im Bauwesen- ordnet Steinholzestriche unter den Begriff Magnesiaestrich ein.
Die besonderen Vorteile eines Steinholzestrichs sind seine geringe Aufbauhöhe und das geringe Flächengewicht, < 1600 kg/m³. Steinholzestrich ist fußwarm, atmungsaktiv, druckfest und trittsicher sowie schwer entflammbar.
Seine besonderen Nachteile sind seine Korrosivität gegenüber Metallen und sein Verhalten bei Feuchtigkeit. Wasser führt dazu, dass das enthaltene Chlor und das Magnesiumhydroxid ausgewaschen werden und die organischen Anteile aus Holz und Holzmehl quellen. Der Estrich geht auf wie ein Hefekuchen.
Steinholzestriche heute
Spezialfirmen bauen Steinholzestriche auch heute noch, vor allem in der Sanierung auf Holzbalkendecken und im Denkmalschutz, ein. Hierbei kommt es vor allem auf die besonderen Eigenschaften des Steinholzestrichs an:
· geringes Gewicht
· geringe Aufbauhöhe
· Raumschallverbesserung
· gute baubiologische Eigenschaften
Sanierung von Steinholzestrichen
Die besonderen Probleme bei der Sanierung von Steinholzestrich sind die teilweise sehr geringen Schichtdicken des Estrichs sowie unterschiedlichste Zuschläge aus Holzmehl bis zu Kork und Holzhackresten. Aber auch wasserlösliche Klebstoffe und Spachtelmassen auf dem Estrich und besonders die Feuchteempfindlichkeit des Estrichs selbst, sind bei der Sanierung solcher Flächen immer wieder eine Herausforderung für den Handwerker.