Allgemein Wandflächen unterliegen ebenso wie Bodenflächen den Anforderungen der DIN 18202, Maßtoleranzen im Hochbau, dargestellt in Tabelle 3, Zeile 6, dieser Norm. Große Fliesenformate und auch die gewachsenen Ansprüche der Bauherren erfordern oftmals Flächen, die eine weit höhere Ebenheit und Maßgenauigkeit notwendig machen, als diese Norm vorschreibt.
Auch wird in der Gebäudesanierung bei vielen Wandflächen die erforderliche (oder gewünschte) Ebenheit oder Oberflächengüte erst hergestellt werden müssen, sei es als Verlegegrund für keramische Fliesen und Platten, als Untergrund für hochwertige Tapeten, Farben oder aufwändige Spachteltechniken. In vielen Fällen erweist sich ein neuer Putz als zu teuer und seine Herstellung, einschließlich der notwendigen Trocknungszeit, als zu zeitintensiv. Hier liegt das Haupteinsatzgebiet der verschiedenen Wandspachtelmassen.
Zu beachten ist, dass diese Produkte als Mörtel zur Instandhaltung und Oberflächenbehandlung gelten, sie unterliegen damit nicht der DIN EN 998-1 (Festlegungen für Mörtel im Mauerwerksbau, Teil 1: Putzmörtel) und der DIN V 18550 (Putz- und Putzsysteme – Ausführung). Richtschnur für die Beurteilung oder Vorgabe einer Oberflächengüte - auch für gespachtelte Wandflächen - kann das Merkblatt des Bundesverbandes der Gipsindustrie e.V. „Putzoberflächen im Innenbereich“ sein. Hier erfolgt eine Klassifizierung über verschiedene Qualitätsstufen, deren jeweilige Kriterien genau beschrieben werden.
Bindemittel: Die Eigenschaften von Wandspachtelmassen hängen von der Art des verwendeten Bindemittels bzw. deren Kombination und Mischungsverhältnissen ab. Spezielle Eigenschaften werden noch durch die Art der verwendeten Zuschläge und Zusatzstoffe erzielt.
Ebenso wie im Bodenbereich können Wandspachtelmassen, neben ihren spezifischen Eigenschaften, über die Art des Bindemittels unterschieden werden. Wir finden im Wesentlichen folgende Typen:
- Reine Calciumsulfat - oder calciumsulfatgebundene Wandspachtelmassen
- Zementgebundene Wandspachtelmassen
- Kalkgebundene Wandspachtelmassen
- Kunstharzgebundene Wandspachtelmassen
Untergründe: Auszugleichende Wandflächen sollen ausreichend fest und tragfähig sein. Der Untergrund ist entsprechend der Vorgaben der DIN 18350 zu prüfen. Bei Rissen im Untergrund sind deren Ursachen zu ermitteln und ggf. abzustellen. Selbstverständlich sind Dehnungs- und Bauwerksfugen an gleicher Stelle und Dimension zu übernehmen. Auszugleichende Putzflächen müssen die Anforderungen der DIN EN 998-1 und der DIN V 18550 (Putz- und Putzsysteme – Ausführung) erfüllen, Wandspachtelmassen sind auf den jeweiligen Untergrund abzustimmen, die Herstellerangaben müssen dabei unbedingt beachtet werden.
Sollen Putzflächen vor einer Fliesenverlegung ausgeglichen werden, gelten die üblichen Prüfungspflichten nach DIN 18352 und der DIN 18157. Wichtig ist hierbei neben der üblichen Oberflächenprüfung auch die richtige Klassifizierung des Putzes. Nach der DIN V 18550 sind das die Putzmörtelgruppen II und III, nach der neuen DIN EN 998-1 ist das die Druckfestigkeitsklasse CI mit einer Druckfestigkeit von 2,5 N/mm², die Druckfestigkeitsklasse C II ab einer Druckfestigkeit von 2,5 N/mm² sowie die Druckfestigkeitsklassen C III und C IV.
Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass die Wandspachtelmasse keine höhere Festigkeit erreicht, als der auszugleichende Untergrund. Die Festigkeit muss vom Untergrund zur Oberfläche hin abnehmen. Wird das nicht beachtet, können durch Temperaturunterschiede und Feuchtigkeitsschwankungen Spannungen im Gefüge entstehen, die zum Ablösen der Wandspachtelmasse und in der Folge auch zur Ablösung des Fliesenbelages führen.
Gipsgebundene Putze dürfen nicht ausgeglichen werden, wenn darauf Fliesen verlegt werden sollen. Hier ist immer neu, dann in der geforderten Güte, zu putzen. Generell sollen Gipsputze (Putzmörtelgruppe P IV nach DIN V 18550 und DIN EN 13279-1, Gipsbinder und Gipstrockenmörtel) nicht mit zementären Wandspachtelmassen überarbeitet werden. Auf Grund der Unverträglichkeit der Bindemittel Gips und Zement, sowie der unterschiedlichen Festigkeiten, sind Schäden hierbei fast sicher.
Umgekehrt dagegen ist es kein Problem, abgebundene, trockene zementäre Untergründe mit Gipsspachtelmassen zu überarbeiten, ausgenommen hiervon sind selbstverständlich Außenflächen und Feuchträume.
Untergrundvorbereitung:
Je nach der verwendeten Wandspachtelmasse ist, unter Beachtung der Herstellervorgaben, die auszugleichende Fläche vorzustreichen. Entsprechend der Saugfähigkeit des Untergrundes ist eine sogenannte Saugregulierung (Saugminderung/Aufbrennsperre), oder bei nicht – bzw. schwach saugenden Untergründen, ein Haftanstrich vorzunehmen.
Als Saugminderung bzw. Saugregulierung auf zementären Untergründen kann z.B. SCHÖNOX KH FIX, SCHÖNOX KH im Mischungsverhältnis 1 Teil KH auf 5 Teile Wasser, oder SCHÖNOX VD im Mischungsverhältnis 1 Teil VD auf 3 Teile Wasser, verwendet werden. Von stark absandenden Putzflächen muss die Oberfläche bis zur tragenden Schicht entfernt werden, erst dann kann eine Grundierung erfolgen. Durch das Einlegen eines geeigneten Gittergewebes werden kleinere Spannungen aus dem Untergrund über eine größere Fläche verteilt und die Rissanfälligkeit vermindert, ein „Allheilmittel“ stellt diese Methode allerdings nicht dar.
Verarbeitung:
Gipsgebundene (calciumsulfatgebundene) Wandspachtelmassen
Hierbei werden als Bindemittel verschiedene Calciumsulfatvarianten, wie z.B. Alpha- und Betahalbhydrat oder Anhydrit eingesetzt. Je nach Verwendungszweck können vom Hersteller verschiedene Zuschläge wie Kalk, Kreide, feine Sande usw. beigegeben werden. Durch die Zugabe von Kunststoffen wird die Haftung und Flexibilität verbessert, Zellulose erhöht das Wasserrückhaltevermögen und verzögert das Abbinden.
Gipsspachtelmassen können in der Regel ohne Schichtdickenbegrenzung (bei ausreichend haft- und tragfähigem Untergrund) aufgetragen werden, da diese beim Abbinden sehr spannungsarm sind. Hier sind auf alle Fälle wieder die Herstellerangaben zu beachten. Nachteilig bleibt bei dickschichtigem Aufbau von Gipsmassen die relativ lange Trocknungszeit.
Da die meisten Gipsspachtelmassen sehr fein aufgemahlen sind, werden sie auch entsprechend dünn (faktisch auf „null“) ausgezogen. Hier kann bei stark saugendem Untergrund, hohen Temperaturen und Zugluft dem Gips das zum Abbinden benötigte Wasser zu schnell entzogen werden, es entstehen minderfeste, abkreidende Flächen.
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Vor der weiteren Bearbeitung sind solche Bereiche abzuschleifen oder durch geeignete Grundierungen zu verfestigen.
Da Gips keine ständig einwirkende Feuchtigkeit verträgt, beschränkt sich die Anwendung dieser Produkte auf trockene Innenbereiche. In häuslichen Bädern können Gipsspachtelmassen außerhalb des Spritzwasserbereiches eingesetzt werden, zu beachten ist jedoch, dass Gips pH-neutral ist und daher keinen natürlichen Schutz gegen Schimmelpilze besitzt, wie ihn etwa zementäre Produkte - bedingt durch ihren hohen pH-Wert - haben.
Die Oberflächen von Gipsspachtelmassen lassen sich vielfältig, durch Strukturieren, Glätten oder Filzen gestalten. Bei der farblichen Behandlung dürfen keine Mineralfarben (Bindemittel Wasserglas) verwendet werden, da es zwischen Wasserglas (Kalium/Natriumsilikat) und Gips sofort zur Bildung von unlöslichem Kalziumsilikat kommt. Beide Schichten halten fest aneinander, bauen aber eine große Spannung auf und lösen sich deshalb vom weniger festen Gipsuntergrund. Großflächig gipsgespachtelte Bereiche sollten nicht mit Fliesen belegt werden, da die Spannungen beim Abbinden des Fliesenklebers von einer dünnen Gipsschicht im allgemeinen nicht schadlos aufgenommen werden.
Gipskartonfugen in Trockenbaukonstruktionen werden ebenfalls überwiegend mit Gipsspachtelmassen geschlossen. Die Notwendigkeit des Einbaus einer Fugenarmierung (Glasvlies, Gittergewebe) ergibt sich aus der Kantenausbildung des Gipskartons und der zu erwartenden Belastung. So kann bei stabilen, fachgerechten Konstruktionen nach DIN 18181 und einer geeigneten kunststoffvergüteten Spachtelmasse, z.B. SCHÖNOX PM und SCHÖNOX PP, auf die Fugenbewehrung verzichtet werden.
Sollen Fliesen auf Gipskarton verlegt werden, sind nur die Fugen in minimalster Breite und die Befestigungsmittel zu verspachteln, weit herausgezogene, dünne Spachtelschichten sind hier ebenfalls zu vermeiden.
Zementgebundene Wandspachtelmassen
Das Einsatzspektrum zementgebundener Wandspachtelmassen ist sehr vielfältig. Bedingt durch die Eigenschaften des Bindemittels Zement können viele Produkte sowohl innen als auch außen und bei permanenter Wasserbelastung eingesetzt werden.
Hier sind die Herstellerangaben genau zu beachten, da es auch Spachtelmassen gibt, die zwar hauptsächlich zementäre Bindemittel, aber auch einen hohen Gipsanteil enthalten, um z.B. das Überschusswasser schnell chemisch zu binden. Diese Produkte sind, ebenso wie Gipsmassen, in vielen Fällen nur für innen geeignet.
Zementäre Wandspachtelmassen können beim Abbindeprozess durch Schwund erhebliche Spannungen aufbauen. Insbesondere bei großen Schichtdicken, hohem Bindemittelanteil und zuviel Wasser ist die Gefahr der Rissbildung gegeben. Auch hier sind die Vorgaben der Hersteller (maximale Schichtdicke, Wasserzugabe) genau zu beachten, um entsprechende Schäden zu vermeiden.
Die Festigkeit des Untergrundes muss unbedingt beachtet werden. Bei auszugleichenden Putzflächen kommen in der Regel nur solche der Mörtelgruppen C III und C IV (früher P II und P III) in Frage. Die Oberflächen von zementären Wandspachtelmassen, können je nach Sieblinie und Art des Zuschlages, von glatt bis rustikal gestaltet werden, Filzen, Reiben oder Glätten sind hier möglich.
Dient die gespachtelte Fläche als Untergrund für Fliesen, sollte allerdings auf eine intensive Bearbeitung der Oberfläche verzichtet werden, gerades Abziehen mit einem Richtscheit reicht hier aus.
Zu starkes Filzen oder Glätten führt zu einer Bindemittelanreicherung in der oberen Randzone, es können dabei netzförmige Risse auftreten, die zwar die technischen Eigenschaften wenig, die optischen aber stark beeinträchtigen.
Bei der Wahl der jeweiligen Wandspachtelmasse sollten die gestellten Anforderungen berücksichtigt werden. Für zu erwartende Ausgleichsdicken von 1 cm und mehr und schnelle Weiterbearbeitung empfiehlt sich SCHÖNOX PL PLUS, hier kann von 3 mm bis 3 cm dick gespachtelt werden, ideal zum Ausgleich unter Fliesen oder zum Ersetzen von Fehlstellen in Putzflächen.
Mit SCHÖNOX BM und SCHÖNOX FS lassen sich sehr dichte und glatte Oberflächen herstellen, z.B. zum Beschichten mit hochwertigen Spachteltechniken, Lacktapeten usw.
Kalkgebundene Wandspachtelmassen
Durch die Renaissance alter Handwerkstechniken werden vermehrt Flächen mit kalkgebundenen Spachtelmassen gestaltet.
Mit den sogenannten Kalkpresstechniken können edle Oberflächen in vielen Farbvariationen hergestellt werden. Besonders das aus Italien stammende Stucco Lustro (glänzender Putz), bei dem mehrere Schichten feiner Kalkspachtel aufgetragen, poliert und gewachst werden, findet immer mehr Liebhaber.
Auch die marokkanische Variante, der Tadelakt, eine sehr widerstandsfähige, auch in Feuchträumen einsetzbare Kalkpresstechnik, wird vermehrt angeboten.
In Kombination mit hochwertiger Keramik lassen sich so luxuriöse, unverwechselbare Bäder und Wellnessbereiche gestalten.
Kalkputze und Kalkpachtel sind stark alkalisch und daher nicht anfällig gegen Schimmelpilzbefall. Sie sind diffusionsoffen, daher wirken sie angenehm auf das Raumklima, da Kalk sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen und gegebenenfalls auch wieder an die Umgebung abgeben kann.
Als Bindemittel unterscheiden wir hydraulische Kalke und Luftkalke. Während hydraulische Kalke durch sogenannte Hydraulefaktoren (Siliziumoxid (SiO2), Aluminiumoxid (Al2O3) und Eisenoxid (Fe2O3)) mit Wasser reagieren und abbinden, benötigt Luft- oder Sumpfkalk das Kohlendioxid aus der Luft (CO2) für diesen Prozess. Solche Flächen sind daher mit entsprechend diffusionsoffenen Anstrichen zu behandeln.
Mit Kalkprodukten geputzte oder gespachtelte Flächen sind in aller Regel nicht als Untergrund für Fliesen und Platten geeignet.
Kunstharz- oder dispersionsgebundene Wandspachtelmassen
Hierbei handelt es sich um Produkte, die nicht durch hydraulisches Abbinden erhärten, sondern lediglich durch Verdunsten ihres Anmachwassers. Dadurch tritt ein sehr starker Schwund auf, so dass diese Massen hauptsächlich nur im dünnschichtigen Bereich zwischen 2 und 5 mm eingesetzt werden. Der Untergrund muss weitestgehend eben und fehlstellenfrei sein, um eine rissfreie und gleichmäßige Durchtrocknung zu erreichen. Durch vielfältige Bearbeitungstechniken sind unterschiedlichste Oberflächenstrukturen herstellbar.
Dispersionsgebundene Wandspachtelmassen lassen sich sehr rationell auf großen Flächen mit geeigneten Feinputzmaschinen verarbeiten. Der Reinigungsaufwand an den Maschinen ist sehr gering, da das Material in den Schläuchen und der Maschine selbst nicht abbindet und daher eine Reinigung oftmals erst nach Abschluss der Arbeiten ansteht.
Die Informationen entsprechen dem Stand von 10/06.
Autor Herbert Ludwig Anwendungstechnik Fliesentechnik
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